Adaption

Was heißt Adaption?


Die Adaptionsphase ist die letzte Phase der medizinischen Rehabilitationsmaßnahme (der Langzeittherapie oder Entwöhnungsbehandlung) und ist ein Angebot für Patientinnen und Patienten, die Aufgrund der besonderen Folgen ihrer Suchterkrankung im Anschluß an eine klinische Behandlung noch weiterer berufsfördernder und ergänzender Maßnahmen bedürfen, die eine Wiedereingliederung in das Erwerbsleben ermöglichen bzw. verbessern helfen.

Die Adaptionsphase beinhaltet:


Bewährung und Erprobung bereits erreichter Thearapieerfolge unter Alltagsbedingungen
Förderung der aktiven Auseinandersetzung mit der individuellen Arbeits- und Alltagsrealität
betriebliche Arbeitsbelastungserprobungen
Öffnung nach Außen
schrittweise Verringerung intensiv-therapeutischer Elemente, verstärkter Selbstständigkeit und Verantwortungsbewußtsein durch begleitende und ergänzende therapeutische Leistungen

Die Phase der Adaption schließt nahtlos an die Behandlungsphase an. Sie kann sich über einen Zeitraum von 12 Wochen bis zu mehreren Monaten erstrecken; die konkrete Dauer richtet sich nach dem Rehabilitationsverlauf.

Eingewöhnungsphase


Der Wechsel von der Fachklinik in die Adaptionseinrichtung stellt für die Patienten eine Konzentration kritischer Situationen (Ablösungsprozesse aus dem vertrauten Setting der Fachklinik, Ängste und Erwartungen hinsichtlich der neuen Anforderungen) dar.
Während dieser Phase soll durch eine besonders intensive therapeutische Betreuung in Form von Einzel- und Gruppengesprächen möglicherweise auftretenden Überforderungsmomenten gezielt entgegengewirkt werden.

Diese erste Adaptionsphase soll in der Regel nach zwei Wochen abgeschlossen sein.

Während der Eingewöhnungsphase liegen die Schwerpunkte im Aufbau von Beziehungen zu den Mitbewohnern durch eine aktive Integration in die Hausgemeinschaft und im Aufbau tragfähiger, therapeutischer Beziehungen zu den Mitarbeitern, in der Ressourceneinschätzung der Patienten, entsprechender Therapieziele und Planung des Einsatzes therapeutischer Methoden, Erprobung einer alltagsnahen  Tagesstrukturierung und weitergehenden Verselbständigung durch Gänge zu Behörden, zu Praktikumsfirmen, Selbsthilfeeinrichtungen sowie im Aufbau oder in der Stabilisierung persönlicher Sozialkontakte.

Praktikumsphase


Die Praktikumsphase schließt an die Eingewöhnungsphase an. In Form eines Betriebspraktikums findet die externe Arbeitserprobung in Firmen und Einrichtungen in Erfurt und Weimar sowie der näheren Umgebung statt. Es dient den Patienten zur Überprüfung ihrer beruflichen Orientierung, als Arbeitstraining unter Realbedingungen und zur Entwicklung einer realistischen Selbsteinschätzung bezüglich Leistungsfähigkeit und Leistungsgrenzen. Darüber hinaus bietet das Praktikum dem Patienten die Möglichkeit, seine individuellen Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erfahren und zu verbessern.

Das externe Praktikum wird durch Gespräche mit den Praktikumsanleitern sowie den Praktikumsstellen arbeitstherapeutisch begleitet.

Was passiert nach der Adaption?


Um im Anschluß an eine Adaptionsbehandlung den Übergang in die Selbständigkeit zu erleichtern, wird schon während des Aufenthaltes in unserer Einrichtung großer Wert auf Kontakte zu externen, dem zukünftigen Wohnumfeld nahegelegenen Selbsthilfegruppen gelegt.

Bei Interesse und Bedarf der Patientin/des Patienten kann in eine therapeutisch geleitete Nachsorgegruppe oder in eine ambulante Beratungsstelle vermittelt werden. Außerdem besteht darüber hinaus die Möglichkeit einer psychotherapeutischen Weiterbehandlung durch niedergelassene Ärzte und Psychologen.

Die Vermittlung in eine betreute Wohngemeinschaft bzw. in eines der in Thüringen existierenden Beschäftigungsprojekte für Suchtkranke wird bereits während des Aufenthaltes in der Einrichtung geprüft.

Berufliche Perspektiven


Für die Patienten kommen verschiedene berufliche Perspektiven im Anschluss an die Adaption in Frage:

Vermittlung eines Arbeitsplatzes nach §19 SGB I für Sozialhilfeempfänger in Zusammenarbeit mit dem Sozialamt
Vermittlung eines Arbeitsplatzes nach §19 SGB I für Empfänger von Arbeitslosenhilfe/-geld mit Sondergenehmigung des Sozialamtes in Kooperation mit dem Arbeitsamt
Vermittlung in eine Arbeit in Betriebe und Firmen mit Unterstützung des Arbeitgebers durch das Arbeitsamt (Einstellungsbeihilfen)
Vermittlung von Maßnahmen des zweiten Arbeitsmarktes in Kooperation mit dem Arbeitsamt
Vermittlung in Arbeits- und Beschäftigungsprojekte für Suchtkranke in Kooperation mit dem Arbeitsamt und Sozialamt
Vermittlung in Firmen des allgemeinen Arbeitsmarktes
Vermittlung in Ausbildung

Rückfall - Was dann?


Ein Suchtmittelrückfall kann zum Krankheitsverlauf gehören und muss nicht das Scheitern der Abstinenzbemühungen bedeuten. Bei einem Rückfall erwarten wir einen offenen Umgang damit. Andernfalls kann der Rückfall zur Abmahnung oder zur Entlassung führen. Die Entscheidung darüber wird vom Mitarbeiterteam getroffen. Die Fortführung der Adaptionsbehandlung wird nur dann möglich sein, wenn Sie als Betroffener die Bereitschaft zur Aufarbeitung des Rückfalls zeigen.

Bei einem schwerwiegenden Rückfall kann das Therapeutenteam gemeinsam mit dem behandelnden Arzt zudem veranlassen, dass Sie sich einer externen Entgiftungsbehandlung unterziehen.

Eine Wiederaufnahme der Adaptionsbehandlung wird dann bei Ihrem zuständigen Leistungsträger beantragt und obliegt dessen Entscheidung.